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Maja's Agrarweltreise

Die Welt ist wie ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.

 
 
 

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  • Maja Mogwitz

Ich bin eine Landwirtstochter - Eine Danksagung

"Ich bin eine Landwirtstochter", sagte ich und dann wurde mir die Hand gereicht "Ich bin auch ein Farmerssohn", antwortete man mir. Wir lächelten beide.


Indien


Ich bin nun schon ein paar Tage in Indien. Mein bereits fünftes Land, dass ich auf meiner Agrarweltreise bereise. Man hat mich vor Indien gewarnt. "Sei vorsichtig, Maja! Indien ist nicht so einfach zu bereisen und schon gar nicht als allein reisende Frau", wurde mir nicht nur einmal mit auf dem Weg gegeben. Ich habe also versucht mich nie wirklich alleine außerhalb von sicheren Orten wie Hostels, Restaurants, öffentlichen Gebäuden und touristischen Märkten aufzuhalten. Was mir als erstes aufgefallen ist? Jeder hier sieht in mir mein Geld - ob es der TuckTuck-Fahrer ist oder die Schmuckverkäuferin, alle sagen einen dreimal so hohen Preis. Ich stand einmal bei anbrechender Dunkelheit an einer Straße und habe versucht ein Taxi zu bekommen. Jeder der anhielt sagte mir einen unverschämt hohen Preis. Doch ich kannte die Strecke bereits und ich kannte den normalen Preis dafür. Ich habe mich so geärgert! Sehen die denn nicht, dass es dunkel wird, ich alleine hier stehe und eine Frau bin? Ich hatte das Gefühl hier zählt mein Geld mehr als meine Sicherheit, beziehungsweise mehr als Menschlichkeit.




Landwirtschaft verbindet.


Eines Tages hatte ich genug von den TuckTuck-Drivern und so suchte ich mir eine kleine Route aus, die ich zu Fuß gehen wollte. Es war helllichter Tag und so fühlte ich mich sicher. Wie schön, war es doch mal zu schlendern und sich alles genauer anzuschauen. So kam ich an einem Markt vorbei und sah Frauen, die eingewickelt in bunten Gewändern auf dem Boden saßen, um ihnen herum ihre aktuelle Ernte, die ebenfalls in allen Farben leuchtete. Ich fühlte mich angezogen von dem frischen Grün des Gemüses, denn die Straßen sind normalerweise schmutzig und unterliegen einem bräunlichen Staubfilm, nicht so dieser Marktstand. Schüchtern winkte ich den Frauen zu, trat näher und sagte: "Was für eine schöne Ernte, ich komme auch von einer Farm. Ich bin eine Landwirtstochter."

Es dauerte ein wenig bis die beiden, mit Hilfe von anderen Markt-Besuchern verstanden haben, was ich da gerade gesagt habe, aber auch wenn wir nicht die gleiche Sprache gesprochen haben, konnte ich genau erkennen, als sie es dann verstanden hatten. Das bisher so düstere, vom Leben gezeichnete Gesicht der Frauen verwandelte sich sofort, die Falten formten sich zu purer Freude. Die Frauen strahlten. Man schenkte mir Blumen, die man mir ins Haar steckte und man lud mich ein, mich ebenfalls mit auf den Boden zusetzen.




Innerhalb kürzester Zeit hatte ich einen Kaffee in der Hand, den man extra für mich ein paar Meter weiter weg kaufte und mir wurde ein riesiger Teller mit indischen Spezialitäten gebracht. Ich war überwältigt, aber dennoch wollte ich mich nicht einladen lassen und so zuckte ich mein Portmonee und wollte ihnen dafür Geld geben. Doch die beiden Farmersfrauen lehnten mein Geld ab. Anstatt dessen winkten sie wieder Menschen her, die ihnen dabei halfen, mir zu erklären, dass ich herzlich auf deren Farm eingeladen bin, dass man mir gerne die Farm zeigen möchte und für mich kochen möchte.


Landwirtschaft verbindet


Ich blicke auf mein Schoß und schaute auf meinen vollen Teller, in der Hand hielt ich noch immer den Kaffee. Diese Frauen haben so wenig und dennoch werde ich beschenkt, Es war tatsächlich das erste Mal hier, dass man nicht mein Geld wollte, sondern dass ich beschenkt wurde. Man hat es schon öfter gelesen "Landwirtschaft verbindet", aber noch nie habe ich es so stark gespürt wie hier. Es wirkte für mich fast so als wäre der Satz "Ich bin eine Landwirtstochter", das Eintrittswort für eine große Familie. Die Farmersfamilie, die ich überall auf der Welt treffen kann.

Landwirtschaft verbindet


"Ich bin auch ein Farmerssohn", antwortete man mir. Da saß ich nun. In der ersten Reihe einer Agrar-Veranstaltung in Indien. Neben mir saß ein ergrauter Inder. Er lächelte. Stand auf und trat auf die Bühne. Ich hatte ja keine Ahnung, dass ich mich genau neben den Redner gesetzt hatte. "Herzlich Willkommen liebe Professoren und Doktoren, herzlich willkommen meine Damen und Herren, und vor allem möchte ich das Farmersmädchen in der ersten Reihe willkommen heißen. Sie kommt aus Deutschland und ist auf einer Farm aufgewachsen und ich als Farmerssohn freue mich immer riesig, wenn ich auf meinesgleichen treffe." Der ganze Saal schaute auf mich. Auf der Bühne stand ein erfolgreicher Professor, der gerade eine Auszeichnung für sein jüngst veröffentlichtes Buch erhalten hat - er hatte so viel zu sagen, doch er nahm sich die Zeit mich vor dem ganzen Saal willkommen zu heißen und mich ein bisschen scheinen zu lassen. Nach seinem Vortrag kam er nochmal auf mich zu und gab mir ein weiteres Mal die Hand, fragte mich nach meiner Adresse und lud mich ebenfalls ein.


Landwirtschaft verbindet


Ich bin hier nicht alleine. Ich glaube ich bin nirgends alleine. denn überall da wo Farmer sind, habe auch ich ein Zuhause, denn Landwirtschaft verbindet.

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